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Stille Stunde Schweiz: Wo autistisch einkaufen ohne Reizüberflutung möglich ist

Kein Lärm, kein grelles Licht, keine Durchsagen — die Stille Stunde macht den Supermarkt für autistische und neurodivergente Menschen erträglicher. In vielen Ländern längst Standard, hinkt die Schweiz noch hinterher. Was es gibt, wo es fehlt — und was du in der Zwischenzeit tun kannst.

17. Mai 2026 Lautini 6 Min Lesezeit

Was ist die Stille Stunde?

Die Stille Stunde — auf Englisch „Quiet Hour" — ist ein wöchentliches Zeitfenster, in dem Supermärkte und Läden ihre Reizquellen auf ein Minimum reduzieren: Musik aus, Licht gedimmt, keine Lautsprecherdurchsagen, ruhigere Atmosphäre. Ursprünglich für autistische Menschen entwickelt, hilft sie auch Menschen mit ADHS, Migräne, Long Covid oder einfach sensorischer Sensitivität.

Die Idee stammt aus Neuseeland, wurde in Grossbritannien vom Supermarkt Morrisons erstmals grossflächig umgesetzt und hat sich seither in vielen englischsprachigen Ländern verbreitet. In der Schweiz ist die Situation deutlich ernüchternder.

Fakten

Gemäss Schätzungen des Vereins autismus schweiz sind zwischen 100'000 und 250'000 Menschen in der Schweiz vom Autismus-Spektrum betroffen — rund 1–3 Prozent der Bevölkerung.

Stand in der Schweiz: Wer macht mit, wer nicht?

Anbieter Stille Stunde Details
SPAR Ja ✓ Pilotprojekt in ausgewählten Filialen (Urdorf, Dübendorf, Oerlikon, Schöfflisdorf), dienstags und donnerstags 13–15 Uhr. Erster Schweizer Detailhändler überhaupt.
IKEA Schweiz Ja ✓ Seit Frühjahr 2026 in Zusammenarbeit mit autismus schweiz eingeführt.
HORNBACH Ja ✓ Kooperation mit autismus schweiz, stille Zeitfenster in Baumärkten.
Coop Nein 2020 Pilotprojekt angekündigt, nie umgesetzt. Seither keine Pläne kommuniziert.
Migros Nein Verweist auf barrierefreies Online-Angebot. Einige Filialen ohne Musik — aber kein strukturiertes Programm.
Lidl Schweiz Nein Keine Pläne — obwohl Lidl Irland die Stille Stunde bereits jeden Dienstag 18–20 Uhr anbietet.
Aldi Schweiz Nein Keine Angaben.
Ernüchternde Realität

Während Grossbritannien, Irland, Neuseeland und zunehmend auch Deutschland die Stille Stunde flächendeckend einführen, fehlt in der Schweiz eine klare Bewegung der grossen Detailhändler. Die Geschäftsleiterin von autismus schweiz bezeichnet die Haltung des Schweizer Detailhandels als „sehr gering interessiert".

Was bedeutet das für autistische Menschen in der Schweiz?

Wer auf eine Stille Stunde angewiesen ist, hat aktuell wenig Auswahl. SPAR in einigen Zürcher Filialen und IKEA seit 2026 — das war es für den Lebensmitteleinkauf. Wer bei Migros oder Coop einkauft, was für die meisten Schweizerinnen und Schweizer die nächstgelegene Option ist, bekommt keine strukturierte Unterstützung.

Das ist nicht nur unbefriedigend — es ist ein echtes Alltagsproblem. Viele autistische Menschen trainieren mit Fachpersonen jahrelang, um überhaupt in der Lage zu sein, einkaufen zu gehen. Andere meiden Supermärkte ganz und sind abhängig von Hilfe.

Was du tun kannst, wenn es keine Stille Stunde gibt

Bis die grossen Detailhändler nachziehen, helfen eigene Strategien:

Tipp

Der Verein autismus schweiz setzt sich aktiv für die Einführung der Stillen Stunde in der Schweiz ein. Wer das Thema unterstützen möchte, kann sich dort engagieren oder Detailhändler direkt kontaktieren.

Die digitale Ergänzung: was eine App leisten kann

Die Stille Stunde adressiert die Umgebung — sie macht den Supermarkt ruhiger. Aber sie adressiert nicht die interne Belastung: die Einkaufsliste im Kopf, die Entscheidungen an jedem Regal, die Orientierung im Laden.

Genau hier kann ein digitales Tool helfen. Eine App die die Liste automatisch nach Zonen sortiert, nur die aktuelle Zone anzeigt und die Vorbereitung zuhause erleichtert — das reduziert die kognitive Last im Laden, unabhängig davon ob gerade Stille Stunde ist oder nicht.

Stille Stunde + gute Vorbereitung + strukturierte Liste — das ist die Kombination die den Unterschied macht.

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Fokus-Modus, automatische Zonen-Sortierung, KI-Foto-Scan. Für Migros, Coop, SPAR, Denner und mehr — in der Schweiz, Deutschland und Österreich.

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Fazit

Die Stille Stunde ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt zur Inklusion im Alltag. In der Schweiz gibt es sie bisher nur vereinzelt — SPAR in einigen Zürcher Filialen, IKEA und HORNBACH. Die grossen Detailhändler Migros und Coop fehlen.

Bis sich das ändert, helfen eigene Strategien und digitale Werkzeuge. Nicht als Ersatz für strukturelle Lösungen — sondern als Brücke, bis die Gesellschaft aufgeholt hat.

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