ADHS Haushalt

Unterbrechen erlaubt: Warum eine angefangene Aufgabe bei ADHS pausieren darf

Die Waschmaschine ist ausgeräumt, die Wäsche liegt im Korb, dann klingelt das Telefon. Drei Tage später liegt sie immer noch da. Mit ADHS ist das häufig. Das Problem ist nicht die Unterbrechung. Es fehlt ein festgehaltener Wiedereinstieg.

30. September 2026 6 Min

Unterbrechungen gehören zum Familienalltag

In einem Haushalt mit Kindern wird fast jede Arbeit unterbrochen: ein Kind ruft, das Essen muss auf den Herd, jemand sucht seine Schuhe. Wer darauf wartet, eine Aufgabe ohne Störung erledigen zu können, fängt oft gar nicht an. Unterbrechungen lassen sich also nicht vermeiden. Man kann aber planen, wie man zurückkommt.

Was beim Unterbrechen verloren geht

Wer eine Arbeit unterbricht, muss drei Dinge im Kopf behalten: dass sie noch offen ist, wo er stehen geblieben ist und was als Nächstes kommt. Sich an ein Vorhaben zur richtigen Zeit zu erinnern, nennen Fachleute prospektives Gedächtnis. Studien zeigen, dass Kinder mit ADHS dabei im Durchschnitt mehr Mühe haben als andere Kinder. Viele Erwachsene mit ADHS beschreiben dasselbe.

Die halb erledigte Arbeit bleibt dann liegen. Sie ist nicht vergessen, aber auch nicht mehr aktiv. Und je länger sie liegt, desto grösser wird die Hürde, wieder einzusteigen.

Drei Dinge, die den Wiedereinstieg leicht machen

  1. Den Stand sichtbar lassen. «Schritt 3 von 5» ist eine andere Ausgangslage als «Küche aufräumen, irgendwie angefangen». Wer den Stand sieht, muss sich nicht erinnern.
  2. Den nächsten Schritt konkret machen. Nicht «weitermachen», sondern «Wäsche aufhängen». Ein konkreter Schritt ist leichter anzufangen als eine offene Aufgabe.
  3. Eine Zeit statt «später». «Später» ist kein Zeitpunkt. Eine Erinnerung in dreissig Minuten oder in zwei Stunden schon.

Bewusst unterbrechen statt einfach aufhören

Es macht einen Unterschied, ob man eine Aufgabe verlässt oder sie pausiert. Wer beim Weggehen kurz festlegt, wann es weitergeht, hat eine Abmachung mit sich selbst. Das dauert zwei Sekunden und nimmt dem Kopf die Aufgabe ab, sich die offene Arbeit zu merken.

Und manchmal ist die ehrliche Antwort: heute nicht mehr. Auch das ist eine Entscheidung. Eine Aufgabe auf morgen zu verschieben ist etwas anderes, als sie liegen zu lassen.

Für Kinder

Kinder mit ADHS brauchen beim Wiedereinstieg oft Hilfe von aussen. «Du warst bei den Büchern» ist hilfreicher als «Mach fertig». Wer mit Kindern Ämtli verteilt, sollte den Stand deshalb nicht nur im eigenen Kopf haben.

Wie das in clar·heim funktioniert

In clar·heim ist jede Haushaltsarbeit ein Ablauf aus einzelnen Schritten. Neben «Erledigt – weiter» steht bei jedem Schritt «Unterbrechen».

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Häufige Fragen

Ist Unterbrechen nicht einfach Aufschieben?

Nicht, wenn der Wiedereinstieg festgelegt ist. Aufschieben heisst: offen lassen, ohne Zeitpunkt. Unterbrechen heisst: pausieren, mit einem Zeitpunkt und einem klaren nächsten Schritt.

Was, wenn ich die Erinnerung wieder wegklicke?

Das passiert. Dann ist der Stand trotzdem noch da. Der Einstieg ist beim nächsten Versuch nicht schwerer geworden.


Quellen

Stand: September 2026.

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