Was mit Mental Load gemeint ist
Wer die Wäsche aufhängt, erledigt eine Arbeit. Wer daran denkt, dass das Turnzeug bis Donnerstag sauber sein muss, dass das Waschmittel fast leer ist und dass das Kind seine Regenjacke im Hort vergessen hat, erledigt eine andere. Diese zweite Arbeit ist Mental Load: das Planen, Erinnern und Überblicken, das jeder ausgeführten Aufgabe vorausgeht.
Sie ist schwer zu sehen, weil sie im Kopf stattfindet. Und sie ist schwer abzugeben, weil «Sag mir einfach, was ich tun soll» die Planung bei der Person lässt, die sie schon hat.
Warum ADHS die Last verschiebt
In Familien, in denen ein Elternteil oder ein Kind ADHS hat, landet der unsichtbare Teil häufig bei der Person, der Planen leichter fällt. Das ist zunächst naheliegend. Auf Dauer entsteht ein Ungleichgewicht: Eine Person trägt den Überblick für alle, die anderen führen aus, wenn sie daran erinnert werden. Das ist anstrengend für beide Seiten. Die eine fühlt sich allein verantwortlich, die andere wie ein Kind, das Aufträge abarbeitet.
Die Lösung ist nicht, dass die Person mit ADHS sich «einfach mehr merkt». Die Lösung ist, weniger im Kopf zu behalten – für alle.
Schritt 1: Aufschreiben, was es alles gibt
Schreibt eine Woche lang auf, was im Haushalt anfällt – auch das Daran-Denken. Nicht nur «Einkaufen», sondern «Einkaufsliste führen», «Vorrat prüfen», «Menü planen». Die meisten Familien sind von der Länge der Liste überrascht. Und oft sieht erst jetzt die zweite Person, was die erste die ganze Zeit getan hat.
Schritt 2: Aufgaben als Abläufe beschreiben
«Bad putzen» bedeutet für jede Person etwas anderes. Wer eine Aufgabe übernimmt, soll sie ohne Nachfragen erledigen können. Das geht, wenn sie als Ablauf beschrieben ist: welche Schritte, in welcher Reihenfolge, mit welchem Material. Dann liegt auch der Massstab, wann etwas fertig ist, nicht mehr im Kopf einer Person, sondern im Ablauf.
Schritt 3: Verteilen – mit Name und Datum
«Wer Zeit hat, macht es» führt dazu, dass es die Person macht, die es zuerst bemerkt. Verteilt wird deshalb mit zwei Angaben: wer und bis wann. Wer eine Aufgabe übernimmt, übernimmt auch das Daran-Denken. Das ist der eigentliche Punkt.
| Nicht verteilt | Verteilt |
|---|---|
| «Kannst du noch schnell das Bad machen?» | Bad putzen · Nora · Samstag |
| «Denk an das Turnzeug.» | Turnzeug waschen · Luca · Mittwoch |
| «Wir müssten mal den Keller …» | Keller ausmisten · Nora und Luca · 14. November |
Schritt 4: Fertig heisst fertig
Wer verteilt, muss loslassen. Nachkontrollieren und Nachbessern holt den Mental Load zurück. Wenn das Ergebnis nicht passt, wird der Ablauf angepasst, nicht die Person korrigiert. Das ist leichter gesagt als getan, aber es ist der Schritt, an dem sich entscheidet, ob die Verteilung hält.
Auch Kinder können Aufgaben mit Name und Datum übernehmen, wenn sie in machbare Schritte zerlegt sind. Wie das geht, steht im Artikel «Räum dein Zimmer auf» ist keine Aufgabe.
Wie das in clar·heim funktioniert
- Abläufe statt Stichworte: 35 Abläufe sind eingebaut. Eigene schreibt ihr so, wie es bei euch gemacht wird, Schritt für Schritt, mit Material.
- Wer und wann: Jede Aufgabe bekommt eine Person und ein Datum.
- Was ansteht: Die Aufgabenliste zeigt pro Arbeit eine Zeile: Name, Person, Datum.
- Für die ganze Familie: Das Abo gilt für bis zu fünf Personen, alle sehen dieselbe Übersicht.
Häufige Fragen
Wir sind zu zweit. Lohnt sich das?
Ja. Mental Load entsteht schon zu zweit. Gerade wenn eine Person ADHS hat, entlastet eine gemeinsame Übersicht beide.
Muss alles ins System?
Nein. Beginnt mit den drei, vier Aufgaben, die am häufigsten zu Streit führen.
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Stand: September 2026.